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             Markus Peters

Trio Giotto Roussies im Theater am Park in Eitorf Jazz-Klassiker unter Spannung

Eitorf -

Wer den musikalischen Werdegang von Giotto Roussies nachvollziehen will, muss schon auf eine Weltkarte zurückgreifen. Der Kölner Arrangeur und Pianist mit französischem Pass ist in seiner jungen Karriere bereits in etlichen Ländern aufgetreten, die ihn dabei oft genug inspiriert haben.

Nun gastierte er mit seinem Jazz-Trio im Foyer des Theater am Park in Eitorf. Ein Ort, der bei den Musikern erst einmal für Stirnrunzeln sorgte, denn die Säulen und die niedrige Decke über der Bühne im Foyer bescherten dem Bass unerwünschte Vibrationen. Um diese zu vermeiden, durfte allenfalls verhalten gezupft werden – was den beeindruckenden und intensiven Auftritt von Roussies , Torben Schug (Bass) und Eddie Jensen (Drums) aber kein bisschen beeinträchtigen sollte.

Das erste Stück, der Standard „Autumn Leaves“ stand für das Konzept des Abends, die respektvolle Annäherung an die Klassiker, die aber dennoch mutig neu interpretiert wurden. Schwermütig und doch lebendig geriet das Werk, bei dem Roussies die Akzente setzte, er aber auch den beiden anderen Instrumentalisten große Freiräume ließ. So kam es, dass Bass und Schlagzeug immer wieder das Tempo aus dem Stück herausnahmen und so den Spannungsbogen verlängerten.

Emotionales

Potenzial ausgeschöpft

Ein ähnliches Konzept griff bei „It could happen to you“, hochelegant und energiegeladen dargeboten, oder dem romantischen „Moonlight in Vermont“, bei dem die drei Musiker das emotionale Potential des Stücks voll ausschöpften. Das Resultat war Wohlfühl-Jazz im besten Sinne des Wortes, stilsicher und geschmeidig dargeboten. Auch beim Klassiker „Days of wine and roses“ wurde das Potential der kleinen Besetzung voll ausgespielt, indem sich die Musiker immer wieder gegenseitig Freiräume schufen. Zum Erlebnis wurde der Konzertabend aber durch die Eigenkompositionen von Giotto Roussies. „Morbid love“ präsentierte sich trotz des düsteren Titels als agile und schwungvolle Hommage an den Jazz der 60er Jahre. Bei „I’m in love“ wurden die Schmetterlinge im Bau mit spritzigen Kadenzen musikalisch zum Leben erweckt, während „Damned to dream“ ebenso schwermütig wie lässig dargeboten wurde.

Zum Höhepunkt des Abends wurde aber mit „Cubra Nova“ ein Titel, der laut Roussies keine besondere Bedeutung hat, aber an Bossa Nova und Supernova erinnern soll. Und tatsächlich startete das Stück südamerikanisch entschleunigt, ehe es dann eine enorme Wucht und Vielschichtigkeit entwickelt, die die Musiker und die Zuhörer im Theater am Park gleichermaßen mitriss. Natürlich hätte dieser außerordentliche Auftritt viel mehr Zuhörer verdient gehabt.

Doch auch so ließ sich das überschaubare, aber sachkundige Publikum von der starken Leistung des Trios begeistern.

-Markus Peters